Oskar Moll 2025 – Ein Jahr der Jubiläen und Entscheidungen
Lanzenrosette mit Büchern und Jahrhunderthalle.
1926
Öl auf Leinwand, 54,0 x 66,0 cm
sign. u.r.: Oskar Moll
Schlesisches Museum zu Görlitz
Inv.-Nr. SMG 2001/1900
Im Jahr 2025 stehen für Oskar Moll gleich zwei Jubiläen an. Vor 150 Jahren im schlesischen Brieg (pl. Brzeg), Bezirk Breslau (pl. Wrocław) geboren, etablierte sich der erfolgreiche Berliner Secessionist im Deutschen Kaiserreich zu einem anerkannten Künstler der Klassischen Moderne. Dann 1925 wurde der Landschafts- und Stilllebenmaler im Alter von 50 Jahren in Breslau zum Direktor der Staatlichen Akademie für Kunst und Kunstgewerbe berufen. In den nächsten sieben Jahren entwickelte Moll die Breslauer Kunstakademie zu einer pädagogisch lebendigen und künstlerisch fortschrittlichen Lehrstätte und ebnete ihr damit den Weg in die Moderne.
Nachdem Moll im Oktober 1925 in Breslau seine Direktorenstelle angetreten hatte, begann er im darauf folgenden Jahr sein bisheriges künstlerisches Schaffen zu überdenken. Er löste sich nach und nach von der impressionistischen Expressivität seiner Malerei und wandte sich Ende 1926 einer kubistischen Bildsprache zu. Das Gemälde „Lanzenrosette mit Büchern und Jahrhunderthalle“ (Abb.), das Anfang 1926 im winterlichen Breslau entstand, veranschaulicht Molls Übergang zu neuen Ausdrucksformen. Über gestapelten Büchern hebt sich im Zentrum des Bildes raumgreifend die blühende Lanzenrosette (Aechmea fasciata) mit ihren langen, schlanken Laubblättern ab. Das vorwiegend mit abgetönten Farben gemalte Stillleben setzt sich auf der Fensterbank mit vereinzelten Gegenständen in horizontaler Anordnung fort. Durch das Fenster hindurch erblicken wir die schwebende Silhouette der stufenförmigen Kuppel der Breslauer Jahrhunderthalle, die 1911/13 von dem Architekten Max Berg (1870-1947) errichtet wurde. Moll dokumentierte in diesem winterlichen Gemälde bewusst Ort und Zeit seiner Entstehung und schuf damit ein grenzüberschreitendes Stillleben.
Diese außergewöhnliche Arbeit im Gesamtwerk Molls gibt Gelegenheit für einen Ausblick, was denn mit den Ergebnissen des langjährigen Forschungsprojektes „Oskar Moll. Werkverzeichnis“ geschehen wird, wenn es Ende 2025 definitiv abgeschlossen sein wird. Es geht nämlich um die künftige Bewahrung und Betreuung eines Gesamtpakets, das aus dem Salzmann-Archiv (analog), dem Leistner-Archiv (analog und digital), der Website www.oskarmoll.info und dem Werkverzeichnis (analog) besteht. Im Laufe des Jahres 2024 konnten hierzu zwei Maßnahmen in die Wege geleitet werden.
Noch dieses Jahr wird vertraglich vereinbart, dass das Landesmuseum Mainz, unter der Leitung der Direktorin Dr. Birgit Heide, dieses Gesamtpaket Anfang 2026 übernehmen wird. Das ist eine gute und sinnvolle Entscheidung, denn dieses kulturhistorische Museum beherbergt bedeutende Werke von Oskar Moll, dem 1997/98 gerade an diesem Ort die letzte große Einzelausstellung mit Katalog (Konzept Gisela Fiedler-Bender und Dorothea Salzmann) eingerichtet wurde. Die Archivbestände finden gerade dort ihren zweckbestimmten Platz.
Die seit 2012 entwickelte Website soll nach Übergabe als Unterseite des Landesmuseums Mainz geführt werden. Die Seite wird entsprechend dem Corporate Identity des Landes Rheinland-Pfalz optisch neu gestaltet. Allerdings ist der gesamte Inhalt der Website mit Stand vom 31.12.2025 untrennbar mit ihrem Urheber verbunden. Ab 2026 können vom Landesmuseum im Rahmen seines Nutzungsrechts Korrekturen und Ergänzungen an der Website vorgenommen werden, denn sie soll ein aktuelles und lebendiges Format der Information bleiben. Das Museum zeigt auch grundsätzlich großes Interesse, die Datensätze zum Werkverzeichnis, die in Form von Word-Textdateien und JPEG-Bilddateien übergeben werden, irgendwann in seine eigene Datenbank zu importieren und dann entsprechend weiter zu pflegen.
Im Weiteren plant der deutschsprachige Verlag NIMBUS. Kunst und Bücher mit Sitz im Schweizer Kanton Zürich eine Publikation über Oskar Moll als aktuelle Monografie mit wissenschaftlichem Werkverzeichnis. Sein Verleger Bernhard Echte zeigt großes Interesse „an ein fundiertes wie opulent gemachtes Moll-Werkverzeichnis“. NIMBUS. Kunst und Bücher ist ein Verlag für Kunst, zeitgenössische Fotografie und Literatur. So erscheint seit 2011 mehrbändig die renommierte Dokumentation der Berliner Ausstellungen des Kunstsalons Paul Cassirer von 1898 bis 1933, in denen auch regelmäßig Werke von Oskar Moll präsentiert wurden. Bei den Cassirer-Bänden handelt es sich „um das aufwendigste und schönste kunstgeschichtliche Vorhaben im deutschsprachigen Verlagswesen unserer Zeit.“ (Andreas Platthaus, FAZ, Dezember 2016).
Somit können die Archivbestände und Resultate der langjährigen Forschungsarbeit künftig in einem der ältesten Museen in Deutschland aufbewahrt und betreut werden. Und zusätzlich sollen die Forschungsergebnisse als Standardwerk über Molls Leben und Werk in einem professionellen Buchverlag veröffentlicht werden. Dies sind zwei erfreuliche Perspektiven!
Bildnachweis © Schlesisches Museum zu Görlitz